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Ein Versuch die Ostfriesischen Inseln zu erreichen
.. oder es kam alles anders, als geplant. Merke: Beim Segeln gibt es keine festen Termine. ;-)

Am Freitag war statt der angekündigten 3 Windstärken erstmal Flaute, so daß ich nicht um bei Hochwasser um Neun, sondern erst um halb Elf los bin und auch dann erstmal nicht von der Stelle kam. Mit zweieinhalb Knoten über Grund die Elbe runter - Fahrt durchs Wasser Null! Aber es war sonnig und warm und ich konnte gemütlich frühstücken.

Später kam dann aber etwas Wind - ganz ordentliche 3, aber die flauten dann wieder ab. Kam dann natürlich in den Gegenstrom. Obwohl ich den Spinnaker raus geholt habe und mich mit dieser unüblichen Art ihn zu fahren (frei fliegend und ohne Spibaum) erst anfreunden muß kam ich nicht recht vom Fleck. Die Fahrt durchs Wasser war zwar gut, aber der Strom hat viel davon wieder gefressen. So habe um 21:00 vor Neuwerk Reede Anker geworfen. Es wurde dunkel und das war der erstmal letze Ankerplatz auf dem Weg.

Samstag Morgen bin ich dann von dort aus los Richtung Ostfriesische Inseln - wenigstens mal auf eine der Inseln schauen. Für viel mehr hätte die Zeit nicht gereicht. Aber kurz vor der Weser um 13:00 Seenebel. So was hab ich noch nicht erlebt: Innerhalb von 10 Minuten sieht man gar nichts mehr. Das Wasser kondensiert auf der Brille - fast als würde es regnen. Man muß die Brille dauernd putzen. Auch tropft es von den Segeln runter - also eine Luftfeuchtigkeit von satten 100%. Da wollte ich nicht die Weser queren und hab kurz vor dem Leuchtturm Alte Weser auf 11m Anker geworfen. Die großen Pötte fahren dort nicht lang - zu nah an den Untiefen (für die).

Das Nebelhorn des Turmes war gut zu hören und als mal kurzzeitig aufklarte konnte man ihn dann ganz nah sehen. Nur etwa eine Seemeile weit weg. Aber bevor ich mich aufraffen konnte, den Anker zu hieven war der Nebel schon wieder zurück. Also weiter warten. Langweilig wurde mir aber nicht, denn das Funkgerät bekam auf einmal keine GPS-Daten mehr und piepte. Den Fehler konnte ich aber nicht finden - hab beim rumbasteln dann auch die NMEA-Seatalk Bridge kaputt gemacht und im Moment kann es dann nicht gehen. Also muß ich erstmal ohne GPS-Daten am Funkgerät leben.

Der Nebel ist dann bis 16:30 geblieben, dann verzog er sich wieder. Fast so schnell wie er gekommen war. Aber das war dann so spät, daß ich lieber umgedreht habe und wieder zurück in die Elbe bin - was ich an Strecke hab, das hab ich. Zu viel Murphy dieses Wochenende. Hatte keine Lust auf weitere Überraschungen oder schwierige Passagen.

Gegen 21:00 war ich wieder vor Neuwerk Reede und hab wieder das Eisen ins Wasser geschmissen. Hier kann ich wieder problemlos an der Kante der Sandbank liegen und wieder wurde es passenderweise genau hier dunkel ...

Sonntag war Hochwasser in Cuxhaven erst nach 15:00. Also hatte ich den ganzen Vormittag Zeit. Es gab genug zu tun und die Zeit wurde nicht lang. Gelegentlich hab ich raus geschaut und sah ein Polizeiboot langsam näher kommen, das dort auf der Reede lag. Ich wunderte mich, daß die sich so treiben lassen. Aber als ich dann mal genauer geschaut hatte, sah ich, daß ich es war, der am Treiben war. Die ganze Nacht und auch am Morgen waren die Peilungen zu meinen Referenztonnen konstant geblieben. Vermutlich lag es am wilden schwojen - ich hatte den Anker aus Faulheit nicht mit der Hahnepot Konstruktion unten. Als ich den Anker dann hoch geholt hatte waren die Flunken eingeklappt - trotz Sicherung. Es lagen irgendwann also nur noch 10 kg Eisen auf dem Boden- die haben dann nicht mehr gehalten.

Um kein ganz so schlechtes Bild zu machen, hab ich dann den Anker gelichtet, Segel gesetzt und bin los. ;-) Bei leichten Winden und Gegenstrom. Das kenne ich ja schon - eine Stunde ging es nicht vorwärts, sondern ich kreuzte auf der Stelle. Dann kam langsam Wind auf und ich machte Boden gut. Vor Cuxhaven hab ich eine Yacht gesehen, die ich schon das Wochendende vorher gesehen hatte. Da waren sie in Lee durchgerauscht während ich nicht voran kam. Jetzt waren wir etwa gleichauf. Mal kam er näher, mal bin ich weg gefahren. Aber als dann etwas mehr Wind kam und die Logge über 10kn ging merkte man, daß das der WInd ist den mein Boot mag. Auf einmal wurden die ganz klein am Horizont.

Das Wetter wurde schlechter und es stand immer noch Gegenstrom, aber der Wind war gut und ich machte ganz gut Fahrt über Grund. Dort in der Elbe stand eine See von etwa einem halben Meter - unruhig wohl vom Strom erzeugt. Der Wind kam zu achterlich als daß das Boot richtig ans laufen kam, aber ich war trotzdem schneller als einige Boote in der Umgebung. ;-)

Regen setzte ein und warm war es auch nicht. Hinter Brokdorf klarte es etwas auf, aber hinter mir war es pechschwarz. Ein Segelboot kam auf. Sah recht groß aus, hatte keine Fock gesetzt, also dachte ich die fahren unter Motor. Deswegen hab ich der Bugwelle von denen keine besondere Bedeutung beigemessen. Eine Schute kam langsam auf und als die neben mir war haute eine Gewitterbö rein. Normalerweise hätte ich reffen müssen, aber jetzt war es zu spät. Jetzt half nur Großsegel auf und genau steuern. Zum Glück hatte ich ja Erfahrung von der Jolle. Die Grenzbereiche des Schiffes kenne ich ja noch nicht ... Halber bis Raumer Wind ... das Schiff machte förmlich einen Satz nach vorne und die Logge kletterte auf 16kn! Als ich nach einer halben Stunde konzentrierten Steuerns nach hinten schaute, war die Schute nur noch ein kleiner Punkt am Horizont.

Dann war die Gewiterbö durch und der Himmel klarte auf. Vor der südlichen Einfahrt zu Pagensand dann ein grandioses Licht: Vor den dunklen Wolken der abziehenden Gewitterfront lag die Einfahrt und die dahinter liegende Küste im Sonnenschein. Langsam wurde es trockener - bis zum Hafen waren die Segel dann trocken. Jetzt war auch Zeit schnell mal was zu Essen. Bei Regen geht man ja nicht so gerne unter Deck, weil man mit den nassen Klamotten unter Deck ja alles naß macht. Und Ausziehen ist auch keine Alternative - dann will man hinterher nicht wieder in die nassen Klamotten. ;-)

Beim Segel bergen und Einklappen gab es dann noch ein Problem - kompletter Stromausfall im Schiff. War es der Autopilot, der mangels Fahrt im Schiff das Ruder am Anschlag hatte? Egal - also manuell steuern für die letzten Vorbereitungen, dann ab zum Liegeplatz. Hab nur die Sicherungen raus genommen und durchgemessen - nichts gefunden. Aber hinterher ging es wieder. Komisch ... Irgendwelche korrodierten Kontakte? ...

Aber ich war wieder zurück - das Wochenende hatte alles: Von Flaute bis Gewitterbö. Von Sonnenschein über Regen bis Seenebel. Wieder ein paar Erfahrungen ...