Sommertörn 2012

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Mein "Sommer"törn 2012: Zu den Scillies, den Kanalinseln und etwas Bummeln entlang der englischen Südküste.

Stand: 02.10.2012

Karte

Hier die gesegelte Strecke.

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Oder hier die Kartenansicht der Strecke extern bei Google-Maps.

Los geht's

Eigentlich wollte ich schon längst unterwegs sein. Aber die Bastelaktionen am Schiff haben sich etwas länger hin gezogen: Erstmal die Solarzelle getauscht. Die alte hatte delaminiert und lieferte nur noch weniger als 500 mA. Jetzt gehen bei Sonne fast 2A in die Batterie. ;-) Mal sehen ob das meinen Tagesbedarf an elektrischer Energie decken kann). Auch einen neuen Solarladeregler hab ich mir gegönnt, der nochmal ein paar Prozent Ladeleistung bringt. Dann mußte das GPS getauscht werden. Es war im Frühjahr wegen Altersschwäche ausgefallen. Als letztes hab ich noch die Kurzwellenfunkanlage und -Antenne vorbereitet um auch fernab der Küste noch e-Mails, GRIB-Files und Wetterberichte zu bekommen. Auch das Flaggenzertfikat für mein Schiff hab ich noch rechtzeitig bekommen (Dank an das BSH für die prompte Bearbeitung) - die Franzosen fordern das. War mir erst recht spät aufgefallen ... Ich hab mich mit den ganzen Sachen nicht sonderlich beeilt - mich treibt im Moment ja keiner (außer die Jahreszeit), aber jetzt ist alles erledigt und es kann los gehen. ;-)

Den Anfang der Reise plane ich erstmal in großen Etappen zu beginnen. Erstmal will ich schnell zum südwestlichsten Punkt meiner Reise, den Scillies. Es wird ja langsam spät im Jahr und das Wetter wird mit fortschreitender Jahreszeit ja tendenziell schlechter. Danach werde ich das Tempo reduzieren und die englische Südküste lang bummeln. Ungefähr bei Plymouth soll es dann über den Kanal zu den Kanalinseln gehen. Dort plane ich noch etwas zwischen den Inseln zu bummeln. Anschließend soll es dann halbwegs zügig entlang der Küste Richtung Heimat gehen. Vor Belgien wird's dann wegen der dortigen Sände vor der Küste vielleicht nochmal etwas spannender.

Die erste Woche

1.8.12: Wedel - Glücksstadt

Tja, mit den großen Etappen ist's nichts geworden. Die Tiden liegen ungünstig - Hochwasser ist entweder mitten in der Nacht oder Mittags. Die Elbe hinunter muß man mit ablaufendem Wasser fahren und bei den Ostfriesischen Inseln geht es nur um Hochwasser durch die Seegatten auf die Nordsee. Das begrenzt das Zeitfenster in dem man Strecke machen kann.

Mit anderen Worten: Erstmal wollte ich überhaupt los kommen. Also am 1.8. die Leinen los und die Elbe runter. Kurz vor Glückstadt fiel mir auf, daß der untere Block, der die Wanten spannt auf der Steuerbordseite merkwürdig aussah. So als ob da eine Achse gebrochen wäre. Wäre ja ein guter Anfang der Reise gewesen. Bin also in die Glückstädter Nebenelbe abgebogen und hab erstmal den Haken raus geworfen. Der Block erwies sich als reparabel - es war "nur" eine Schraube lose und hing auf halb Acht. Wieder angezogen und gut is.

2.8.12: Glücksstadt - Ostemündung

Am nächsten Tag war, wie gesagt, erst Mittags Hochwasser. Bei wenig Wind kam ich zudem auch nicht wirklich vorwärts, so daß es nur bis zur Oste gereicht hat. Den Ankerplatz dort kenne ich ja schon zur Genüge.

3.8.12: Ostemündung - Wangerooge

Am dritten Tag ging es dann endlich auf die Nordsee. Um 6:40 hieß es Anker auf. Anfangs waren es angenehme 3 Bft. und die Elbe raus machte die Schnegge gute Fahrt. Richtung Ostfriesische Inseln hieß es dann erstmal kreuzen. Dabei nahm der Wind auch noch ab und war zwischenzeitig sogar ganz weg und außerdem stand noch der Tidenstrom mit 1kn gegenan. Eine Robbe und ein Schweinswal kreuzten meinen Kurs und sorgten für etwas Abwechslung. Mit Glück war Wangerooge noch zu schaffen. Der Wind wechselte häufig die Stärke und auch 3 Gewitter zogen über mich weg. Aber nichts von den angekündigten Gewitterböen mit Bft. 8 aus SW zu merken. Nur Regen, aber keine Windböen. Die See war glatt wie ein Babypopo, so daß ich das mit dem Hochwasser im Seegat nicht so ernst nehmen mußte. Immerhin kann ich ja auf 40cm Tiefgang (bei verminderter Manövrierbarkeit) reduzieren. Solange also noch Wasser im Gat steht ... ;-)

Um 18:30 hatte ich dann die Harle erreicht - die Ansteuerungstonne vor dem Seegat von Wangerooge - bei bestem Sonnenschein und leichten Winden. Erstmal mit dem Feldstecher die Lage gepeilt. Die 2. Tonne lag offenbar in einem Brandungsgebiet und wippte teilweise recht ordentlich. Mit andern Worten: Dort ist es flach und das bißchen Welle bricht sich dort schon auf der Barre. Also etwas warten. Um 19:30 hatte sich die Situation gebessert, ich dachte ich wage es und bin los gefahren. Um 21:16 konnte ich dann den Anker hinter Wangerooge im Watt fallen lassen. Da ich am nächsten Morgen ja gleich weiter wollte wäre ein Hafen nur rausgeworfenes Geld ...

4.8.12: Wangerooge - Dorumer Nacken, Baltrum

Tag 4: Das späte Hochwasser ließ mich etwas ausschlafen. Um 11:30 konnte es erst los gehen. Durchs Gat ging es problemlos. Draußen waren angenehme 2-3 Bft., allerdings mußte ich kreuzen. Kein Tag für Rekordstrecken. Wieder kamen mir Gewitter entgegen. Allerdings blieben sie auf Land und ich bekam nichts ab.

Norderney war an dem Tag nicht zu schaffen, also hieß es zwischen Langeoog und Borkum hinter die Inseln zum Pennen verziehen. Ich hatte einen Kartensatz von 2011 dabei. Man sagt ja, daß man mit den aktuellsten Karten fahren soll, aber fürs Seegat bei gutem Wetter dachte ich mir, daß ich auch mit dem Satz auskomme. Man muß ja sowieso nach den Tonnen fahren, die nach jedem Sturm anders gelegt werden ... Aber bei der Ansteuerung von der Acumer Ee kam ich doch ins Grübeln. Nach GPS war ich genau an der Ansteuerungstonne, aber die Tonne war weit und breit nicht zu sehen. Die Landmarken machten Sinn - das GPS war also nicht defekt. Hab mit dem Feldstecher in die Runde gepeilt, aber die Tonne war definitiv nicht da. Weiter im Westen konnte ich Fischer sehen, die Heim fuhren. Dort war auch eine rote Tonne zu sehen. Gut, dann muß das Fahrwasser da hinten sein. Da die See immer noch glatt war und kein Wind herrschte bin ich querfeldein rüber motort. Von 12m Wassertiefe ging es aber runter auf weniger als 5 Meter. Auf der landwärts gerichteten Seite konnte ich auch ein bißchen Brandung sehen - also erstmal weiter Richtung See halten wo ich auch ein weiteres rot und grünes Tonnenpäärchen gefunden hatte. Derweil den einkommenden Verkehr beobachtet - dort war definitiv die "Fahrrinne". Jetzt hieß es nur noch aufpassen, daß keine Untiefe auf meinem Weg lag, denn ich kam ja quer von der Seite ... Aber es paßte. Ins Fahrwasser eingedreht und ab hinter die Inseln. Auf der Barre standen noch 3.8m Wasser. Gut, es war weitab vom Hochwasser, aber das wußte ich ja. Wegen des glatten Wassers hatte ich das einkalkuliert gehabt. Die Ansteuerungstonne hab ich dann am nächsten Tag gefunden - sie lag komplett woanders!

Ich wollte wieder keinen Hafen nehmen, denn bis dahin wäre es wieder ein Stück hinter die Insel zu fahren. Da ich morgens gleich weiter wollte (diesmal wollte ich das Nacht-Hochwasser mal nutzen um wenigstens ein bißchen Strecke machen zu können). Also hab ich mir eine Stelle am Eingang zum Wattfahrwasser nach Borkum ausgesucht. Dort war Platz wo man zwischen 2 Ruhezonen für die Robben und Seevögel Ankern konnte. Genau in dem Moment kam dann das Gewitter runter, das ich schon die ganze Zeit hab aufziehen sehen. Das einzige Mal, wo unter dem Gewitter übrigens Wind war - so um die 6 Bft. Also in strömendem Regen und mit Windböen um mich rum den Ankerplatz gesucht und den Haken geworfen.

Der Ankerplatz war O.K. Allerdings war dort teilweise ein Tidenstrom von 2kn. Da sich die Schnegge nicht entscheiden konnte, ob sie sich nach dem Wind oder dem Strom ausrichten sollte, lag sie quer im Strom, was ordentliche Geräusche am Unterwasserschiff machte. Keine Situation für einen geruhsamen Schlaf.

5.8.12: Dorumer Nacken, Baltrum - Borkum

Am nächsten Morgen war Dämmerung im 05:00. Also aus den Federn und raus auf See. Es war zwar schon wieder reichlich nach Hochwasser, aber noch sollte genug Wasser über der Barre stehen. Jedenfalls mehr als gestern als ich rein fuhr. Hab mich kurzzeitig verfranzt, weil ich im Dunkeln erstmal meine Tonne nicht gefunden hatte. (Das nächste mal peile ich am Abend vorher mit dem Feldstecher und schreib mir die Peilung auf!) Aber dann ging es raus auf See. Anfangs wieder angenehme 3 Bft., die dann aber weniger wurden. Also war nur noch Borkum drin - ein recht langer Weg von draußen bis in den Hafen - aber es gibt keine Alternative. Auf dem Weg dorthin schlief der Wind ein und die arabischen Winde mußten einspringen.

Mit dem ablaufaufenden Wasser mußte ich dann auch noch gegen den Strom an motoren - der Gegenstrom ging dann auf 2kn hoch - aber ich mußte da durch. Einen anderen Hafen gibt es da nicht, so daß ich erst gegen 16:00 in Borkum fest gemacht habe.

6.8.12: Borkum - Ameland - Borkum

Am Montag den 6.8. war es dann so weit. Der Sprung über die erste Landesgrenze stand an. Ich war noch etwas fertig von den Tagen davor, so daß ich die Leinen erst um 06:45 los geworfen habe. Im Nachhinen stellte sich das als Fehler heraus. Der Wind war recht frisch und ich hoffte gute Strecke machen zu können. Allerdings kam er aus Südwest und es hieß wieder kreuzen. Zuerst kam aber erstmal eine Front auf mich zu. Sicherheithalber hab ich das Groß mal gerefft. Stellte sich als gute Idee heraus, denn der Wind legte zu und ich konnte entspannter segeln. Dummerweise haben mich die Winddreher in der Front jeweils auf dem falschen Fuß erwischt und mich zurück geworfen. Dann setzte der Gegenstrom ein und ich machte beim Kreuzen kaum noch Boden gut. Erst gegen 12:00 wurde es besser und ich fing an Boden gut zu machen. Eine Gewitterwolke zog heran. Diesmal hab ich die Winddreher richtig erwischt und gegenüber einem anderen Segler den ich vor mir gesehen hatte viel Boden gut gemacht. Unter dieser Wolke war auch wieder Wind, so daß ich im Regen nochmal das Groß gerefft habe. Dann war die Wolke durch, der Wind wurde weniger und das Reff aus dem Groß geschüttelt.

15:00 Uhr. Das GPS war auf unter 5° Länge gesprungen, der Wind drehte gerade in eine für mich günstige Richtung als es "Knack" sagte. Die Fock fing an zu killen - Fockfall gebrochen! Ohne Fock macht die Schnegge aber am Wind überhaupt keine Fahrt. 16sm bis zum nächsten Ankerplatz bei Seegang gegen die Wellen zu motoren wäre mindestens eine Quälerei geworden, wenn es denn überhaupt gegangen wäre. Nein, es gab nur eine Alternative: Zurück nach Borkum. :-( Immerhin stand der Wind günstig, so daß es schneller ging. Zwar hatte ich schon wieder den Tidenstrom gegen mich, aber mir raumem Wind machte die Schnegge so um die 6-7 Knoten durchs Wasser - da machte der Knoten Gegenstrom nicht so viel aus. Langer Rede kurzer Sinn: Um 21:30 war ich wieder in Borkum im Hafen. 15 Stunden und 80 sm gesegelt, aber nicht vom Fleck gekommen. Aber auch solche Tage gibt es halt.

Fast hätte ich es vergessen: Kurz vor dem Hafen fiel mir die folgende Wolkenformation über Borkum auf:

Windhose über Borkum
Windhose über Borkum

Den Montag bin ich in Borkum geblieben, hab repariert und Vorräte aufgefüllt. Morgen geht es dann nochmal über die Grenze ...